Swami Vivekananda – Lexikon

Swami Vivekananda, * 12. Januar 1863 in Kolkata; † 4. Juli 1902 in Haora; bürgerlicher Name: Narendranath Datta) war ein hinduistischer Mönch und Gelehrter. Vivekananda sprach 1893 in Chicago als erster Hindu vor dem Weltparlament der Religionen (World Parliament of Religions).

Vivekanandas Ideen basierten auf der Philosophie des Vedanta. Vivekananda beansprucht dabei, in der Tradition des klassischen Advaita Vedanta zu stehen, wie ihn Shankara im 8. Jahrhundert auf Grundlage der Upanishaden vertreten hat. Tatsächlich nahm Vivekananda jedoch eine grundlegende Neubestimmung vor: Bei Shankaras Advaita Vedanta handelt es sich um einen exklusiven asketischen Erlösungsweg, der ausschließlich von Brahmanen praktiziert wurde. Das Ziel des Advaita Vedanta ist die Erkenntnis (Wissen, njana) der Einheit von Atman und Brahman, der eigenen Seele und Brahman. Shankara betonte, dass ausschließlich diejenigen Erlösung finden, die zu dieser Erkenntnis gelangen, während alle anderen im Wissen der Welt (maya) verhaftet bleiben. Der Weg zur Erkenntnis führt, in Abwendung von der Welt, über die Veden, zur Einsicht, dass die Welt eins ist, nämlich Brahman. Vivekananda dagegen verstand Advaita Vedanta als eine universale Religion, deren Ziel die Erfahrung ist. Nach seinem Verständnis hat das Weltwissen in abgestufter Weise Anteil an der Erlösung, die ihren Wahrheitsanspruch mit der Überprüfbarkeit an der Erfahrung und der Übereinstimmung mit ewigen Naturgesetzen begründet und die die Veden als Zeugnis von persönlichen Erfahrungen versteht.

Vivekananda lässt alle klassischen Heilswege des Hinduismus gelten: Jnana Yoga (Weg des Wissens), Raja Yoga (Weg des Yoga), Bhakti Yoga (Hingabe an Gott) und Karma-Yoga (Weg der guten Taten). Die Taten (Karma) fasst er jedoch nicht auf rituelle, sondern auf philanthrop-soziale Art auf; sie würden verrichtet, weil Gott oder der Atman in jedem Wesen anwesend sei. Die Bhakti (Hingabe) hingegen zeige sich in Opfern und Liebe. Jnana Yoga dagegen ist der intellektuell-spirituelle Weg zur Erkenntnis. Jeder wähle den Weg, der seiner Mentalität und seinem Bildungsniveau am besten entspreche.

An der Südspitze des Indischen Subkontinents, dem Kap Komorin, befindet sich auf einer kleinen Felseninsel ca. 400 Meter vor dem Festland das Vivekananda-Denkmal, eine 1970 errichtete Gedenkstätte für Vivekananda, der dort 1892 drei Tage meditierend verbrachte. Direkt neben dieser liegt eine zweite Insel mit der Tiruvalluvar-Statue. Von Kanyakumari aus besteht eine Fährverbindung zu den Inseln.

Die Schriften des Swami Vivekanada sind für jeden Yoga und Vedanta interessierten Menschen eine große Bereicherung!